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Oma ruft an

Das Telefon klingelt.
„Na hallo, endlich erreich ich dich mal, bei euch geht ja nie jemand ans Telefon.“
„Ja, ich hatte neulich deinen Anruf verpasst und dann war immer besetzt, als ich zurückgerufen habe.“
„Jaja, wir waren jetzt wieder in [sonstwo] und sind gestern erst zurückgekommen und wie geht’s euch?“
„Och ja, ich bin zwar erkältet, aber sonst ganz gut. Ich arbeite momentan auf dem Zeltfestival, das ist sehr anstrengend, wir haben da -“
„Das ist aber keine Festanstellung?“
„Nein, eine Festanstellung ist das nicht.“
„Verstehst du, dass du mal Rente bekommst. Muss man sich ja drum kümmern. Also der [Name meines Cousins], der arbeitet ja jetzt zum Glück (…) Die waren jetzt wieder in Kroatien und (…) Führerschein wurd‘ ihm ja abgenommen, aber er kann zur Firma laufen (…) [Es folgen die Geschehnisse aus den Familien meiner Tante und Onkel, die immer gleichen Erzählungen von ihren jüngsten Enkeln, während ich nur hin und wieder „aha“ und „mhm“ murmle.] Aber ich hatte ja gehofft, du meldest dich mal, ihr hattet doch gesagt, ihr kommt mal vorbei.“
„Es war viel los in letzter Zeit, Hochzeiten -“
„Habt ihr geheiratet?“
„Nein, das hättest du wohl schon mitgekriegt.“
„Aber habt ihr schon vor?“
„Ja, irgendwann …“
„Wird ja auch mal Zeit. Ihr erlebt die Silberhochzeit ja schon nicht mehr. (…) [Nach Urlaubsgeschichten, geplanten Familienausflügen, Erlebnissen mit dem Wanderverein und den üblichen Gebrechen, scheint langsam der Gesprächsstoff auszugehen.] Grüß alle von mir und meld dich doch mal.“