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Oma ruft an

Das Telefon klingelt.
„Na hallo, endlich erreich ich dich mal, bei euch geht ja nie jemand ans Telefon.“
„Ja, ich hatte neulich deinen Anruf verpasst und dann war immer besetzt, als ich zurückgerufen habe.“
„Jaja, wir waren jetzt wieder in [sonstwo] und sind gestern erst zurückgekommen und wie geht’s euch?“
„Och ja, ich bin zwar erkältet, aber sonst ganz gut. Ich arbeite momentan auf dem Zeltfestival, das ist sehr anstrengend, wir haben da -“
„Das ist aber keine Festanstellung?“
„Nein, eine Festanstellung ist das nicht.“
„Verstehst du, dass du mal Rente bekommst. Muss man sich ja drum kümmern. Also der [Name meines Cousins], der arbeitet ja jetzt zum Glück (…) Die waren jetzt wieder in Kroatien und (…) Führerschein wurd‘ ihm ja abgenommen, aber er kann zur Firma laufen (…) [Es folgen die Geschehnisse aus den Familien meiner Tante und Onkel, die immer gleichen Erzählungen von ihren jüngsten Enkeln, während ich nur hin und wieder „aha“ und „mhm“ murmle.] Aber ich hatte ja gehofft, du meldest dich mal, ihr hattet doch gesagt, ihr kommt mal vorbei.“
„Es war viel los in letzter Zeit, Hochzeiten -“
„Habt ihr geheiratet?“
„Nein, das hättest du wohl schon mitgekriegt.“
„Aber habt ihr schon vor?“
„Ja, irgendwann …“
„Wird ja auch mal Zeit. Ihr erlebt die Silberhochzeit ja schon nicht mehr. (…) [Nach Urlaubsgeschichten, geplanten Familienausflügen, Erlebnissen mit dem Wanderverein und den üblichen Gebrechen, scheint langsam der Gesprächsstoff auszugehen.] Grüß alle von mir und meld dich doch mal.“

Ich würde so gern weiter über den Urlaub bloggen, aber bis Donnerstag nächster Woche bin ich im Endspurt für die Übersetzung der neuen Mangareihe. Übrigens ein interessanter Manga, aber den Titel darf ich noch nicht verraten …

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Stallnachmittag

Nach dem kleinen Desaster am Donnerstag war ich heute auf dem Weg zum Stall noch unschlüssig, was ich heute mit ihr machen soll. Also erstmal in Ruhe geputzt und dann eine Viertelstunde grasen gegangen – schließlich war auch das Wetter super.

Auf die Außenbahn habe ich mich allein nicht getraut, aber in den Sattel wollte ich dann natürlich doch noch – mit dem festen Vorsatz mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen zu lassen.
Sie war heute wesentlich ruhiger, sodass wir beide viel entspannter waren. Es lief nun nicht supertoll, aber kein Vergleich zu Donnerstag. Was mal wieder zeigt, wieviel davon Kopfsache ist.

Und siehe da – ganz zum Schluss klappte auch das Rückwärtsrichten wieder, worauf ich direkt abstieg und sie ausgiebig lobte. So konnte ich heute mit einem viel positiveren Gefühl aufhören und sie in den wohlverdienten Feierabend mit einer extra Portion Möhrchen schicken.

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Japan 2015 – Tag 1: Kawagoe

Dank der Zeitverschiebung waren wir schon ungewöhnlich früh auf und brachen nach einem schnellen Frühstück im Hotel gleich auf. Wir hatten uns für den ersten Tag offengehalten, ob wir in das Freiluftmuseum Nihon minkaen bei Kawasaki oder nach Kawagoe fahren. Ich hatte dann allerdings nicht so richtig Lust auf das Freiluftmuseum, sodass wir uns nach einem Abstecher zum Shinjuku gyoen auf den Weg nach Kawagoe gemacht haben. Unterwegs hielten wir auch in Musashi-Urawa – mein Wohnort während meines Auslandsjahres – und ich hatte prompt Pipi in den Augen. So sehr ich damals darüber geflucht habe, dass sie uns in ein Wohnheim mitten in Saitama verfrachtet haben, hat mich in dem Moment dennoch die Nostalgie überkommen. Das Frühstück mit allen in dem kleinen Raum, in dem morgens schon immer der Fernseher lief. Die Movie Nights mit den Mädels und jeder Menge Junk Food. Unser Ausflug zu einer Eisdiele im nächsten Ort, weil es dort Eis umsonst gab … es war schon wirklich eine tolle Zeit.
Dieses Mal war das dritte Mal, dass ich nach Kawagoe kam. Unser erstes Ziel war der Kurazukuri-Bereich, in dem noch Häuser aus der Edo-Zeit stehen, weswegen Kawagoe auch den Namen Koedo, also „kleines Edo“ trägt. Am Glockenturm (toki no kane) habe ich uns erstmal ein paar Yakidango geholt, bevor es weiterging zur Kashiya yokocho, der „Süßigkeitengasse“. Überall roch es herrlich nach frischen Senbei und anderen traditionellen Leckereien.
Von dort aus sind wir zum Kitain gelaufen, wo wir uns neben dem begehbaren Gebäude des Edo-Schlosses, das der Shogun von Edo (heute Tokyo) nach Kawagoe verlegen ließ, auch die Gohyaku rakan angesehen haben. Letztere hatten tatsächlich ein paar „Altersflecken“ mehr als bei meinem letzten Besuch 2008. Auch Statuen altern wohl …
Da es danach schon langsam Abend wurde, machten wir uns auf den Rückweg nach Shinjuku, wo ich meine Mutter mitnahm in ein Okonomiyaki-Restaurant, das ich damals mal mit meiner besten Freundin zusammen zufällig entdeckt hatte. Da es etwas versteckt im zweiten Stock eines unscheinbaren Gebäudes liegt, sehen sie wohl dort nicht allzu viele ausländische Gäste, zudem die Speisekarten komplett auf Japanisch sind. Immer wieder großartig, wenn den Leuten fast alles aus dem Gesicht fällt, wenn auf einmal Ausländer hereinspazieren. Wir hatten ein super leckeres Essen und fielen danach von Jetlag und dem vielen Laufen erschöpft ins Bett.

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Gut Ding …?

Ich weiß, dass es nicht der erwartete Reisebericht ist und es tut mir leid. Ich bin immer noch dabei Fotos für die Beiträge herauszusuchen und das frustriert mich jedes Mal, weil viele der Fotos nicht wirklich gut geworden sind. Leider ist meine Kamera letzten Sommer kaputt gegangen, sodass ich mir eine Kamera leihen musste, mit der ich aber offensichtlich nicht gut zurechtkam. Zum Glück habe ich auch mit meinem Handy fotografiert, die Fotos sind oft überraschenderweise besser geworden.
Zumindest einige Fotos habe ich mittlerweile bearbeitet und ausgesucht für den Blog. (Erstaunlich, wie viele Bilder man in nur zehn Tagen machen kann!)

Immerhin hat mich das ein bisschen von dem Frust beim Reiten vorhin abgelenkt. Die Stute, an der ich eine Reitbeteiligung habe, ist sehr eigen – sagen auch erfahrene Reiter. Ich hatte den festen Willen, mich auf dieses so ganz andere Reiten einzulassen und mich mit ihr zusammenzuraufen. Aber heute hatte ich gut Lust alles hinzuschmeißen. Es widerstrebt mir etwas aufzugeben, das ich einmal begonnen habe. Ich denke, es muss irgendwie auch für mich machbar sein, mit ihr zurecht zu kommen – einfach alles hinschmeißen kommt gar nicht in Frage. Aber heute Abend musste ich erstmal absteigen und mich beruhigen. Sie testet mich gern, sie hat gemerkt, dass ich heute nicht fit war und das gleich mal ausgenutzt um ihr Ding durchzuziehen. Da man aber nie mit einem schlechten Gefühl abschließen soll, habe ich mich dann doch noch mal in den Sattel geschwungen und dann lief es auch etwas besser. Trotzdem bin ich etwas unsicher, wie es weitergehen soll. Schließlich tu ich auch dem Pferd keinen Gefallen damit und wenn sie keinen Spaß mehr an der Arbeit mit mir hat, kann man das Ganze gleich ganz vergessen. Vielleicht doch erstmal wieder Bodenarbeit, um beidseitig Vertrauen aufzubauen. Mal sehen … Gut Ding will Weile haben, nicht wahr? Wenn es dann nur auch irgendwann ein „gut Ding“ wird, investiere ich auch gern die ein oder andere Weile.